„Father Joe“ geht in Rente – nach 40 Jahren in der Gehörlosenseelsorge in Chicago

Ich habe Father Joe Mucrone vor genau 20 Jahren kennen gelernt, bei einem Besuch in Chicago. Er hat mich bei der Sonntagsmesse im „Francis-Borgia-Center“ eingeladen, das Vaterunser in Deutscher Gebärdensprache zu beten: Ich wurde rot, weil ich noch keine einzige Gebärde kannte. Das kam erst Ende des Jahres. Damals war Joe schon seit 20 Jahren in der Gehörlosenseelsorge. Seine Großeltern waren gehörlos, so hatte er schon einige Erfahrung, als sein Dienst in der Gehörlosenseelsorge anfing.
Aus dem ersten Besuch 1997 wurde eine Freundschaft. Im Jahr 2000 haben wir im Herbst eine Reise mit einer großen Gruppe aus der Trierer Gehörlosenseelsorge nach Chicago (und Toronto) gemacht. Father Joe hatte ein volles Besuchsprogramm organisiert – und ich werde es nicht vergessen: Die Trierer Gehörlosen dachten: „Chicago ist der Himmel für Gehörlose“.

Viele Ideen haben wir mitgenommen: den Gebärdenchor, viel mehr Gebärden im Gottesdienst, viel mehr Verantwortung von Gehörlosen für Gottesdienst und Seelsorge, den Kampf für die Anerkennung der  Gebärdensprache, die Sorge für Soziale Dienste.
Aber wir haben auch schnell gemerkt: „Trier/Koblenz/Saarbrücken ist nicht Chicago!“
 

Beim letzten Besuch 2013 haben wir sein neues Büro und seine Mitarbeiterin Margret Swatek kennen gelernt, sie ist für die Religiöse Erziehungsarbeit verantwortlich. Ebenso haben wir mit ihm das „Kinderschutz-zentrum“ kennen gelernt. Hier werden Kinder betreut, die körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt haben. Mehr auf dem Blog der damaligen Reise.
Father Joe ist ein „Sprachentalent“: Er liebt „total communication“, eine Mischung aus allem: Englische Lautsprache, Amerikanische Gebärdensprache, Spanisch, Spanische Gebärdensprache… Das, was gerade gebraucht wird. Auf dem Altar liegen immer Bücher in verschiedenen Sprachen.
Er hat im Laufe seines Dienstes sehr viel für die „community“ (Gemeinschaft) der Gehörlosen in der Stadt und im Umland von Chicago getan. Zu seiner Abschiedsfeier kamen 400 Leute, so hat unser Freund Ed Michor geschrieben.
Auch wir von der KGG Trier haben uns für die die lange Freundschaft und die wunderbare Unterstützung bedankt – durch ein Dankeschön-Video, das bei seiner Verabschiedung gezeigt wurde. Wir hoffen, dass wir uns auf die ein oder andere Weise wiedersehen – in Chicago, in Trier, in Rom – spätestens im Himmel! Thanks, Father Joe!

Hier ein paar Links mit weiteren Geschichten, besonders von der Delegationsreise 2013

http://web.kgg-trier.de/delegationsreise-der-kgg-nach-chicago-und-st-louis-vom-9-17-september/2411/

http://web.kgg-trier.de/bericht-wenn-hande-fliegen-das-deaf-www-die-kgg-trier-erinnert-sich-an-die-amerikareise-vor-einem-jahr/6765/

Hier ein (englischer) Bericht aus der Kirchenzeitung vom Erzbistum Chicago.
Der Bruder von Joe, Tom Mulcrone war Seelsorger für die Feuerwehr von Chicago und die Rettungsdienste. Er ist gleichzeitig in den Ruhestand gegangen. Er bleibt noch Seelsorger für ein Wohnheim von Menschen mit Behinderung. Was für eine Familie!

 

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